Hintergründe

Verschiedene Faktoren haben einen Einfluss darauf, ob genügend Fachkräfte vorhanden sind. Die Trends deuten darauf hin, dass sich der Mangel an Fachkräften ohne Gegenmassnahmen in den nächsten Jahren verschärfen wird.

Demografischer Wandel

Um den demografischen Wandel und seine wesentlichen Treiber zu erfassen, muss die Bevölkerungsentwicklung in der Vergangenheit betrachtet werden. Der Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegsjahre begünstigte zunächst aussergewöhnlich hohe Geburtenraten. Die Technologie schritt in vielen Bereichen (Medizin, Pharmazeutik, etc.) schnell voran und Bildung gewann kontinuierlich an Bedeutung. Zusammen mit der Möglichkeit der Familienplanung führten diese Trends schliesslich zu wieder sinkenden Geburtenraten sowie zu einer massiven Erhöhung der Lebenserwartung. Die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Babyboomer treten in den nächsten Jahren aus dem Erwerbsleben aus. Schon in naher Zukunft wird die demografische Alterung der Schweizer Bevölkerung dazu führen, dass im Inland weniger Erwerbstätige zur Verfügung stehen.

Bildungsintensives Beschäftigungswachstum

Globale Trends für die Arbeitsmärkte entwickelter Staaten, wie etwa die Tertiarisierung und Digitalisierung haben die Beschäftigungsentwicklung der Schweiz im Laufe der letzten beiden Dekaden stark und nachhaltig bestimmt. Diese Trends werden den Arbeitsmarkt weiter umformen und die Bildungsintensität der Beschäftigung wird weiterhin zunehmen. Daher wird die Nachfrage der Schweizer Wirtschaft nach gutausgebildeten Fachkräften in naher Zukunft nicht abflauen. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, wurden Arbeitsmarkt- und Bildungsmassnahmen zur Nach-, Um- und Höherqualifizierung der Erwerbspersonen in Angriff genommen. Diese sollen die Flexibilität des Schweizer Arbeitsmarkts erhalten und fördern.

Zuwanderung ausländischer Fachkräfte

Wachstum und Zuwanderung sind in der Schweiz seit geraumer Zeit miteinander verbunden. In den letzten zwanzig Jahren war die Zuwanderung stark durch die Bedürfnisse der Wirtschaft geprägt. Die erfolgreiche und gut diversifizierte Schweizer Wirtschaft, eine hohe Standortattraktivität und der flexible Arbeitsmarkt wirken anziehend auf Unternehmen und Arbeitskräfte aus aller Welt. Die Höhe der Zuwanderung hängt stark von der jeweiligen wirtschaftlichen Situation ab. In Wachstumsphasen, wie überwiegend seit der Einführung der Personenfreizügigkeit (2002) bis zum Ausbruch der Finanzkrise (2008), benötigten die Unternehmen mehr ausländische Fachkräfte. Stagniert die Wirtschaft, wie in der ersten Hälfte der neunziger Jahre, sinkt die Zuwanderung in Folge des Nachfrageeinbruchs.

Die Flexibilität des Schweizer Arbeitsmarkts wurde durch die Einführung der Personenfreizügigkeit bedeutend erhöht. Unternehmen konnten leichter auf ausländische Fachkräfte zurückgreifen, die auf dem inländischen Arbeitsmarkt nicht in ausreichender Zahl vorhanden waren. Das Bruttoinlandprodukt stieg über die letzten zehn Jahre mit 2,2% pro Jahr entsprechend stark.

Die andauernd hohe Zuwanderung der letzten Jahre war mit ein Faktor, welcher zur Lancierung der eidgenössischen Initiative «Gegen Masseneinwanderung» führte, die von der Schweizerischen Stimmbevölkerung knapp angenommen wurde. Bund, Kantone und die Sozialpartner haben sich bei der Umsetzung von Art.121a BV unter anderem darauf geeinigt, Massnahmen zu ergreifen, um die Abhängigkeit der Schweiz von ausländischen Arbeitskräften zu reduzieren.