Potenzial

Frauen arbeiten häufiger als Männer Teilzeit, um Betreuungspflichten wahrzunehmen. Durch eine bessere Abstimmung von Beruf und Familie können Pensen erhöht werden.

Im Grundlagenbericht 2011 « Fachkräfte für die Schweiz» wurde berechnet, dass das Arbeitskräftepotenzial von Erwerbslosen sowie von nicht- und teilzeiterwerbstätigen Personen im Alter von 25-54 Jahren, die mindestens über eine Ausbildung auf Sekundarstufe II verfügten, gut 743‘000 Vollzeitäquivalenten entspricht. Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) zeigt, dass rund ein Drittel der Nichterwerbspersonen, die regelmässig eine Betreuungsaufgabe für Kinder oder Erwachsene übernehmen, (wieder) berufstätig sein und die Betreuungsaufgaben reduzieren möchten. Das entspricht rund 130’000 Personen.

Grund für die hohe Teilzeitquote der Schweiz ist laut einer Studie der OECD von 2013 unter anderem die hohe Steuerbelastung für Zweitverdienende. Die geltende Besteuerung der Ehegatten beinhaltet insbesondere bei gut ausgebildeten, verheirateten Frauen einen beträchtlichen Abhalteeffekt in Form negativer Erwerbsanreize. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat zwei mögliche Reformen genauer unter die Lupe genommen und ihre Auswirkung auf die Beschäftigung quantifiziert. Erstens könnte kurz- bis mittelfristig die Beschäftigung bei einem Übergang zur reinen Individualbesteuerung bei Bund, Kantonen und Gemeinden um bis zu 50‘000 Vollzeitstellen zunehmen. Das tatsächliche Potenzial ist aber unbekannt und hängt massgeblich von der konkreten Umsetzung ab. Die Frage, ob die Besteuerung individuell oder gemeinsam erfolgen soll, ist bislang strittig. Zweitens dürfte die Zulassung eines unlimitierten Abzugs der Drittbetreuungskosten von Kindern bei den eidgenössischen und kantonalen Einkommenssteuern die Beschäftigung kurz- bis mittelfristig um schätzungsweise 4‘800 Vollzeitstellen erhöhen.

In der Vernehmlassungsvorlage zur steuerlichen Behandlung der Kinderdrittbetreuungskosten schlug der Bundesrat vor, dass Eltern die Kosten für die ausserfamiliäre Betreuung ihrer Kinder auf Bundesebene bis maximal 25‘000 Franken (heute 10‘100 Franken) pro Kind von den Steuern abziehen können. Die Kantone sollten zudem verpflichtet werden, für den Abzug der Kinderdrittbetreuungskosten eine Obergrenze von mindestens 10‘000 Franken vorzusehen. Die Vernehmlassung endete am 12. Juli 2017. Der Bundesrat wird im Herbst 2017 über das weitere Vorgehen entscheiden. Ausserdem plant der Bundesrat, die Botschaft zur Reform der Ehegattenbesteuerung voraussichtlich im Frühjahr 2018 zusammen mit der Steuervorlage 17, dem Nachfolgeprojekt zur Unternehmenssteuerreform III, zu beraten.