Kooperationsgruppe Fachkräftemangel

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Weisses Haus mit blauen Läden.
Systematisches Ankämpfen gegen den Fachkräftemangel im Kanton Basel-Landschaft

Im Rahmen der Wirtschaftsförderung Kanton Basel-Landschaft wurde ein Teilprojekt initialisiert mit dem Ziel Entscheidungsgrundlagen für die zukünftige Stossrichtung im Bereich des Fachkräftemangels in der Region zu schaffen. Mittels einer Unternehmensbefragung im Wirtschaftsraum Basel wurden Handlungsempfehlungen in Bezug auf den Fachkräftemangel erarbeitet. Als Instrument für die Umsetzung der konkreten Massnahmen wird ein Kooperationsgefäss in Form einer interdisziplinären Kooperationsgruppe konstituiert.

Die Kooperationsgruppe setzt sich aus verschiedenen Vertretern von Wirtschaft, Bildung und Verwaltung der Region Basel zusammen unter der Federführung des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung BL. Ziel der interdisziplinären Kooperationsgruppe ist es, die Standortförderung durch genügend Fachkräfte zu unterstützen, indem gezielt geeignete Bildungsstrategien und Aktivitäten auf den Fachkräftebedarf ausgerichtet werden. Eine weitere Aufgabe wird die Erarbeitung von Grundlagen sein, auf Basis dessen Verbundsentscheide gefällt werden können.

Die Kooperationsgruppe lanciert und überprüft Massnahmen, insbesondere im Bereich der nachfolgenden vier Stossrichtungen:

1. Förderung der dualen beruflichen Grundbildung
Bei der Stärkung der beruflichen Grundbildung sollen besonders die technischen und industriell-gewerblichen Berufe gefördert werden, da in diesem Bereich ein Mangel an Lernenden in der dualen Ausbildung sowie Studierenden auf Hochschulebene herrscht. Ebenfalls soll die Bekanntheit und Attraktivität der dualen Berufsbildung besonders bei schulisch starken Schülerinnen und Schülern erhöht werden. Um diese Ziele zu erreichen, einigt sich die Kooperationsgruppe auf ein gemeinsames MINT-Monitoring, bei dem die Rahmenbedingungen (bspw. auf welche Berufe fokussiert wird oder in welcher Zeitspanne Handlungsbedarf besteht) abgesteckt werden. Eine wichtige Aufgabe besteht ausserdem in der Koordinationsarbeit und der Optimierung der verschiedenen MINT-Aktivitäten im Wirtschaftsraum Basel. Der Fokus soll sich allerdings nicht auf die Jugendlichen in dualen Berufsausbildungen beschränken. Auch der Hochschulbereich soll miteinbezogen werden, da er viele Fachkräfte liefert. Allgemein wichtig wird sein, Aussagen auf Basis von statistischen Grundlagen zu machen, dafür soll ein entsprechendes Monitoring eingerichtet werden.

2. Sicherung der Ausbildungsqualität
Dies geschieht durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bildungsinstitutionen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Prüfung der Ausbildungsangebote, die flexibel an veränderte Bedürfnisse angepasst werden müssen. Um den Bedarf an Fachkräften laufend zu erfassen und auszuwerten, einigt sich die Kooperationsgruppe auf die Analyse mit nachhaltigen Instrumenten (Fokusgespräche, Onlineumfragen, Datenanalyse, etc.). Es werden gezielt konkrete Fragestellungen behandelt und verfolgt, damit die Ergebnisse als Steuerimpulse verwendet werden können.

3. Ausschöpfung des vorhandenen Potentials
Das Ausschöpfen des vorhandenen Potentials bezieht sich auf zwei Gruppen – einerseits auf die ausländische Bevölkerungsgruppe, welche die Qualität und die Bedeutung der dualen Berufsbildung oftmals weniger einschätzen kann – und andererseits auf die Gruppe der Wiedereinsteiger/innen. Mittels gezielter und individualisierter Bildungsangebote soll der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt speziell für Frauen leichter bewältigt werden. Der Fokus wird auf den Wiedereinstieg für Frauen gelegt, der mit den bereits vorhandenen Instrumenten „professionELLE“ und Eingangsportal erreicht werden soll. Damit kann die Nähe zur Wirtschaft mit zwei bereits vorhandenen Gefässen gesichert werden. Das Eingangsportal wurde vom Bildungsraum Nordwestschweiz initiiert und koordiniert Angebote im Bereich der gesamten Nachholbildung.
ProfessionnELLE soll in Zukunft als Anlaufstelle zur Vermittlung von Fachkräften (Wiedereinsteigeinnen) für regionale Betriebe etabliert werden. Der Wiedereinstiegsprozess für die Frauen wird an zentraler Stelle von ProfessionnELLE gemanagt. Damit kann für die interessierten Firmen eine konstante Ansprechstelle gewährleistet werden.

4. Ausrichtung der Bildungsleistungen
Grundsätzlich richten sich die Bildungsleistungen an den Mechanismus von Angebot und Nachfrage aus. Der Kanton Basel-Landschaft weist von allen Deutschschweizer Kantonen die höchste Mittelschulabsolventenquote auf. Damit bietet der Kanton unabhängig vom Lehrstellenmarkt schulisch starken Jugendlichen ein breites Mittelschulangebot. Der Mittelschulabschluss kann auf vier
verschiedenen Wegen erworben werden: 1. Gymnasiale Ausbildung, 2. Fachmittelschule, 3. Berufsmaturität, 4. Wirtschaftsmittelschule. Die Kehrseite davon ist, dass Jugendliche mit entsprechendem Notenschnitt ein kostenintensives Ausbildungssystem durchlaufen, ohne sich dabei explizit Gedanken über ihre berufliche Laufbahn zu machen. Zudem fehlen dem Lehrstellenmarkt dadurch die schulisch starken Jugendlichen. Dies wird besonders von Vertretern der Wirtschaft bemängelt.
Aufgrund der obengenannten Gründe wird zurzeit geprüft, ob die Einrichtung eines adäquaten Anreizsystems den Fachkräftemangel in den betroffenen Berufsgruppen vermindern kann. Zur Diskussion stehen geeignete Modelle zur Synchronisierung der Zulassung (sogenannte Lenkungsmodelle) zwischen Mittelschule und dualer Ausbildung. Ziel ist es, FMS/WMS-Lernende in den ausgetrockneten Lehrstellenmarkt zu verschieben. Mit der Lenkung werden konkrete Schritte zur Stärkung des Laufbahngedankens eingeleitet.

Auskünfte bei

Amt für Berufsbildung und Berufsberatung
Heinz Mohler, Stabstelle Berufsfachschulen
061 552 28 56
heinz.mohler@bl.ch

Amt für Berufsbildung und Berufsberatung
Doris Fellenstein, Stabstelle Hochschulbildung
061 552 62 14
doris.fellenstein@bl.ch